Die „Zuviel-Spirale“

Mit ihren intensiven Sinnes- und Empfindungswahrnehmungen haben hochsensitive Menschen die Fähigkeit, sich sehr präzise zu verorten: "Wo bin ich hier genau?". Das gibt ihnen die Möglichkeit, sich souverän im Umfeld zu bewegen und sicher zu navigieren. Doch gerade für hochsensitive Kinder wird diese ihrer grössten Ressourcen in gewissen (für das Umfeld manchmal unerklärbaren) Situationen zu einer grossen Herausforderung: Sie werden die Eindrücke aufsaugen wie ein Schwamm und sich verlieren in einer typischen "Reizüberflutung".

„Reizüberflutung“ ist wohl das häufigste Wort, das man liest und hört, wenn man sich mit dem Begriff der Hochsensitivität beschäftigt. Vielleicht weil es das typischste Phänomen der Hochsensitivität ist: Sowohl die Hochsensitiven als auch ihr direktes Umfeld kennen es und erkennen es, denn es ist zumeist nicht zu übersehen. Dabei wird der Begriff der „Reizüberflutung“ dem eigentlichen Phänomen meines Erachtens nicht vollumfänglich gerecht. Zwischen den Zeilen in mancher Literatur wird sogar impliziert, dass hochsensitive Menschen bei diesem Phänomen Opfer der heutigen, schnelllebigen Welt seien.

Hier grenze ich mich ab: Hochsensitive Menschen sind keine Opfer ihrer Aussenwelt; auch nicht die Kinder. Kinder lernen sogar recht schnell, sich von zu vielen Reizen abzuwenden. Als Eltern zu erkennen, wenn das passiert und sie in ihrer Abgrenzung zu unterstützen sowie präsent zu sein bzw. zu bleiben, wenn es wirklich schwierig ist, zeigt Kindern: Du bist nicht ein Opfer. Du hast hier Handlungsspielraum. Und es gibt noch einen zweiten Punkt, der mitspielt, aber sehr häufig übersehen wird: Hochsensitive Kinder tragen auch selbst zu diesem Phänomen bei, nämlich mit ihrem Drang nach Perfektion. Und so erlaube ich mir, Ihnen eine Erklärungsalternative anzubieten, die ich die „Zuviel-Spirale“ nenne.

Die „Zuviel-Spirale“ basiert auf den drei typischen Eigenschaften hochsensitiver Kinder (verbunden, feinfühlig und tiefsinnig) und beginnt immer dann zu wirken, wenn folgende „Zuviels“ zusammentreffen: zu schnell, zu intensiv, zu lange und zu müde. Mehr dazu finden Sie hier.