In der Rush-Hour unseres Lebens

Wenn wir Eltern werden, befinden wir uns mitten in unserem Leben. Es ist wohl die dichteste Zeit, die wir erleben werden: Es ist die Rush-Hour unseres Lebens. In diesem Lebensabschnitt erleben wir unsere ersten grossen Karrieresprünge, in diesem Abschnitt werden wir wirklich erwachsen, vielleicht sesshaft und wenn wir Kinder bekommen, begleiten wir sie von einer Rundum-Versorgung in die Selbständigkeit. Das sind viele Aufgaben in begrenzter Zeit.

Sich hier zu erlauben, durchzuatmen und einfach mal zu reflektieren, gelingt nicht allen Eltern von uns. Vielleicht, weil auch einige von uns selbst über hochsensitive Züge verfügen (und ein Abschalten gerade Hochsensitiven nicht immer gelingt). Vielleicht sind wir in Anbetracht eines möglicherweise übervollen Lebens einfach laufend unter Strom. Das hat dann mit Leben nicht mehr viel zu tun. Eher mit Funktionieren, um möglichst schnell zu erkennen, wo der nächster Hau-ruck-Einsatz ansteht. Anstatt wach unseren Fluss des Lebens zu leben, sind wir nur noch eins: wachsam und getrieben. Das hat seinen Preis.

Diese dichte Lebensphase wird dicht bleiben. Ausser natürlich wir „entrümpeln“ sie gänzlich. So  schalten wir vielleicht alle Stressoren ab. Doch gleichzeitig entziehen wir uns unserem Leben. Das ist nicht die Lösung. Zu akzeptieren: „Es ist, wie es ist“, das ist schon eher ein guter Anfang. Was man daraus macht, ist das Spannende. Und das liegt in der Verantwortung jedes Elternteils. Bereits kleine Pausen können helfen, um durchzuatmen und  darüber nachzudenken: „Es ist, wie es ist… Ja, wie ist es denn eigentlich?“ Eventuell kommen Gedanken hoch, dass man selbst gar nicht mehr seinen eigenen Weg geht. Oder man erkennt: Ich gehe einen Weg, aber es ist nicht der, der meiner eigenen Familie gut tut. Vielleicht erkennen viele aber auch: Wir gehen unseren Weg ja richtig gut! Warum schaffen wir es dann nicht, diesen gelassen zu gehen? Allen voran ich?